Manga im Laufe der Zeit – Otaku~life

Japan

Hey!

Willkommen beim ersten Beitrag zu Otaku~life, dem Format, in dem ich über alles mögliche, das mir in meinem Leben als Otaku passiert, erzähle!

Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, wer die großartige Idee hatte, einen schwarz-weißen Comic mit spannenden Geschichten und witzigen Figuren, den wir heute „Manga” nennen, zu entwerfen?
Diese Frage habe ich neulich in einem Vortrag (im Fach Deutsch) beantwortet! Dabei ging es aber nicht nur um die Entstehung der Manga, sondern auch um das Verhältnis von Bild und Text in unseren geliebten japanischen Comics und anderes WIssenswertes.
Damit die Präsentation lockerer gestaltet war, habe ich sie einfach in einem Cosplay (nämlich Dazai Osamu aus Bungou stray dogs) gehalten, was sehr gut bei meinem Publikum ankam.
Als Mangafigur etwas über Manga erzählen!
In diesem Beitrag präsentiere ich euch eine Kostprobe aus besagtem Vortrag. Seid also gespannt, denn gleich werdet ihr mehr über die Geschichte der Manga wissen!

Die Entstehung der Manga

Die Wurzeln der Manga reichen – man glaubt es kaum – bis ins Mittelalter zurück.
Im 8. Jahrhundert zeichneten buddhistische Mönche in Japan Szenen aus dem Alltag der Menschen damals auf Papyrusrollen und später, im 13. Jahrhundert, auch auf Tempelwände das Leben nach dem Tod und Zeichnungen von Tieren.
Sie wollten diese Momente für die Nachwelt festhalten und den Menschen zu ihrer Zeit den Buddhismus nahebringen.

Ausschnitt der ersten Chōjū-jinbutsu-giga-Bilderrolle

Dieses Bild stammt von der ersten Chōjū-jinbutsu-giga-Bilderrolle (auf deutsch „Tier-Personen-Karikaturen”), geschaffen von dem Mönch Sōjō Toba (1053-1140). Diese Bilderreihe zeigt Tiere die sich wie Menschen verhalten und buddhistische Riten karikieren.
Lassen sich hier schon Gemeinsamkeiten zu unseren heutigen Manga erkennen?
Sprechende Tiere… Vielleicht… Pokémon?
… Ok, ok, Spaß beiseite!

Gehen wir weiter in die Edo-Zeit!
[Kurze Information an alle, die bei dem Begriff „Edo-Zeit” nur Bahnhof verstehen: Diese Epoche (nach damaliger Hauptstadt Japans, Edo, benannt) war in Japan von 1603 bis 1868. In diesen Jahren schottete sich das Land, kurz gesagt, von anderen ab. ]
Damals lebte ein Ukiyo-e-Meister namens Katsushika Hokusai (1760-1849). Ukiyo-e sind Holzschnitte, auf deutsch bedeutet das Wort so viel wie „Bilder der fließenden Welt”. Neben diesen alltagsfesthaltenden Holzschnitten fertigte Hokusai auch Grafiken und Porträts von berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit an.
Seine Werke waren sehr beliebt, wenn wir aber weiter nach Gemeinsamkeiten zu Manga suchen wollen, finden wir wohl nicht viel, denn er fertigte noch keine zusammenhängenden Bilderfolgen an.
Hokusai die Erfindung des Wortes „Manga” zugeschrieben, diesen verwendeten allerdings schon andere Künstler vor ihm für ihre Werke.

Unter der Welle im Meer vor Kanagawa; Farbholzschnitt von Katsushika Hokusai von 1829-32

Das obrige Bild ist ein recht bekannter Holzschnitt von Hokusai, bestimmt haben viele von euch ihn schon einmal gesehen. Auch ich kannte das Bild und als ich mehr über dessen Hintergrund erfuhr, musste es einfach in den Vortrag hineingepackt werden!

Ebenfalls in der Edo-Zeit entstanden „Kusazōshi” („Allerlei-Bücher”), diese erzählten Geschichten mithilfe von Bild und Text (das kommt uns doch bekannt vor, oder?). In ihnen ging es ebenfalls um das zeitgenössische Leben.

Ausschnitt des ersten Kibyōshi (ein Kusazōshi mit gelbem Umschlag; die Allerlei-Bücher wurden nach ihrer Umschlagfarbe benannt) „Kinkin-sensei eiga no yume” („Meister Kinkins wunderbarer Traum”)

Wie ihr auf diesem Bild erkennen könnt, lassen sich in den Kusazōshi erste Formen von Sprechblasen finden!
Wir kommen den heutigen Manga näher…

Machen wir einen Sprung zum Ende des 19. Jahrhunderts!
Japan öffnete sich wieder und so kamen europäische Karikaturisten in das Land. Einer von ihnen war Charles Wigman, welcher 1862 eine Satirezeitschrift in Yokohama, namens „The Japan Punch” gründete. Diese Zeitschrift ist ein gutes Beispiel dafür, wie japanisch Zeichner sich an Ausländischen orientierten. „The Japan Punch” war ein wichtiger Vorgänger für japanische Zeichnungen, Karikaturen, aber auch Zeitungen.
Somit entstanden in dieser Zeit die ersten von westlichen Comics beeinflussten Manga. Der erste im Stil, wie wir ihn heute kennen, war „Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio”, von Kitazawa Rakuten, welcher 1902 erschien.

Ein Ausschnitt von „Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio”; 1902 von Kitazawa Rakuten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wünschten sich die Menschen Ablenkung und viele neue Zeichner und Verlage halfen dem Manga zum Aufstieg.
Der bekannteste Mangaka dieser Zeit war Osamu Tezuka (1928-1989). Im Laufe seines Lebens schuf er ca. 150.000 Manga Seiten, 60 Anime und veröffentlichte 700 Manga! Er wird also nicht ohne Grund „Manga no kami-sama”, der „Gott der Manga”, genannt.
Er entwickelte, inspiriert von den ersten Disney-Filmen, die Grundlage für moderne Anime und Manga.
Die ersten Manga dieser Zeit richteten sich vorallem an Kinder und waren unter anderem für ihre Erziehung gedacht, später gab es aber auch Manga speziell für Erwachsene.
Wie oben erwähnt, ließ sich Osamu Tezuka von Disney inspirieren, aber es war auch andersherum: Zu dem Film „Der König der Löwen” gibt es zum Beispiel mehrere offensichtliche Parallelen zu Tezukas Manga „Kimba der weiße Löwe”, wie Handlung, Namen und Aussehen der Figuren.

Und so sind wir am Ende unserer Reise durch die Geschichte der Manga angelangt!
Ich hoffe es hat euch gefallen und eure Fragen wurden beantwortet!

Bis zum nächsten Mal!
Stay awesome~
Eure Rika

Meine Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Manga
https://www.egmont-manga.de/entstehung-und-geschichte-der-manga/
https://www.comicforum.de/showthread.php?118715-Entstehung-von-Mangas
https://de.wikipedia.org/wiki/Katsushika_Hokusai#Werk
https://www.planet-wissen.de/kultur/literatur/comics/Manga-100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gro%C3%9Fe_Welle_vor_Kanagawa
https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/manga-koenig-des-westens-kaiser-des-ostens/7210160.html
https://www.comicgesellschaft.de/2012/10/29/bildrollen-und-manga-japanische-bilderzahlungen-vom-18-jahrhundert-bis-zur-gegenwart-2/
http://www.cool-jp.com/articles/anime/techniques_edo_arts_influence.php
https://wiki.samurai-archives.com/index.php?title=Japan_Punch
https://de.wikipedia.org/wiki/Kitazawa_Rakuten

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